ÖV-Datenanalyse

Allgemeine Informationen

Die für diese Analyse verwendeten Daten sind Teil unserer entwickelten Plattform, die das technische Produkt unserer IDPA darstellt. Die Daten für unsere Plattform haben wir von opentransportdata bezogen. Solange keine anderen Quellen angegeben sind, sind alle hier aufgeführte Informationen nur aus der Analyse dieser Daten entstanden.

Für die meisten Grafiken und Tabellen haben wir Durchschnittswerte statt Mediane verwendet. Uns ist bewusst das für unsere Datenlage Mediane geeigneter sind, um Extremwerte besser handzuhaben, jedoch sind diese in der Berechnung für grosse Datenmengen um ein vielfaches komplizierter und zeitaufwändiger, weswegen wir nur wenige Median-Berechnungen vorgenommen haben.

Einleitung

Unser Hauptprojekt war die Entwicklung einer Plattform für ÖV-Daten. Wir haben dazu das ÖV-Datenarchiv von openstransportdata verwendet. Diese Daten haben wir aufbereitet, umstrukturiert und Umsysteme zur Verwaltung entwickelt. Da diese Plattform kein Gesicht hat, haben wir hier eine kleine Analyse erstellt, die einen Überblick über die gesamten Daten und ihr Potential liefern soll.

Auf der Plattform sind Daten seit 2016 vorhanden und jeden morgen werden die Daten des Vortags integriert. Für diese Analyse haben wir aus Ressourcengründen nur Daten der letzten 4 Jahre, also seit Januar 2022 verwendet.

Ausserdem sind im Datenbestand dieser Analyse einige Erfassungslücken, die durch korrumpierte Daten entstanden sind. Wir haben es zwar geschafft diese fehlenden Daten inzwischen zu ergänzen, jedoch erst nachdem wir die Grafiken und Tabellen für diese Analyse generiert haben. Da dieser Prozess einen Grossteil der verfügbaren Zeit eingenommen hat, waren wir nicht in der Lage, die damals fehlenden Daten zu integrieren.

Grundlagen

Um den verwendeten Datenbestand, der in Rohform ca. 60 Gigabyte, verteilt auf über 1200 Dateien, besser kennenzulernen, steigen wir mit der Durchschnittsverspätung pro Tag über die 4 Jahre hinweg ein.

Durchschnittsverspätung pro Tag

Neben den 4 offensichtlichen Erfassungslücken, stechen 2 Tage besonders raus, der 21. und 22. November 2024. Darauf gehen wir später noch genauer ein. Ausserdem ist ersichtlich das Züge im Schnitt an einem Bahnhof pünktlicher ankommen als abfahren. Die Abfahrtsverspätung bewegt sich über die 4 Jahre um den Bereich von 60 Sekunden.

21. & 22. November 2024

Quelle: Rekord-Schneefall - Wie war der Schneetag bei SRF Meteo? - Meteo - SRF

An diesen beiden Tagen hat es in der Schweiz stark geschneit, was natürlich auch grosse Auswirkungen auf den ÖV hatte. Dies ist über die 4 Jahre hinweg einmalig und sticht heraus. An diesem Tag war die Durchschnittsverspätung in der Schweiz über 48h hinweg über 3 Minuten, also auch nach SBB-Definition zu spät.

Unsere Daten erlauben auch einen genaueren Blick auf diese beiden Tage. Dazu schauen wir uns als erstes die Median-Verspätung über das ganze Netz während den 2 Tagen an. "Über das ganze Netz" heisst, dass die Abfahrtsverspätungen aller Halte an allen Bahnhöfen beachtet werden.

Netzwerk 30-Minuten Median

Der Median wurde in 30-Minuten Blöcke aufgeteilt, sprich die 48 Stunden wurden in 98 Blöcke aufgeteilt und dann wurde der Median pro Block berechnet. Die Extremwerte in der Nacht vom 21.11 auf den 22.11 sind auf das tiefe Verkehrskaufkommen zu führen. Da in diesem Zeitraum nur sehr wenige Züge unterwegs sind, ist dieser Zeitraum generell anfällig für Extremwerte.

Gegen Mittag am 21.11 war die Verspätung noch bei ca. 50 Sekunden, was dem Normalwert entspricht. Im verlauf vom Nachmittag steigt diese dann stark an auf über 4 Minuten. Am 22.11 ist sie während des ganzen Tages immer noch deutlich über dem Normalwert.

Als nächstes schauen wir uns die Situation an mehreren grossen Bahnhöfen an, angefangen mit Zürich HB.

Zürich HB 30-Minuten

Komplett unabhängig der Verspätungen sieht man hier die Betriebszeiten vom Hauptbahnhof Zürich sehr klar. Der Verspätungsanstieg hier ist deutlich extremer als über das ganze Netzwerk hinweg betrachtet mit einer Spitze gegen 21:00 mit 10 Minuten Median-Verspätung. Am 22.11 ist es etwas ruhiger, jedoch immer noch über den Normalwerten. Was auch auffällt ist eine kleiner Spitze zu den Stosszeiten. So sind fast 3 Minuten Median-Verspätung in den Stosszeiten beachtlich.

Als nächstes schauen wir uns den Bahnhof Bern an.

Bern 30-Minuten

Dieser Graf ist etwas schwierig in der Darstellung, da die Werte hier deutlich extremer werden. Auch hier war der grösste Teil des Tages ruhig, erst am Abend ab ca. 16:30 stieg die Verspätung. Auf die Verspätungen zwischen 22:00 und 00:00 gehen wir hier nicht weiter ein, da diese ebenfalls durch das verringerte Verkehrsaufkommen entstehen. Jedoch ist auch am Abend eine Median-Verspätung von über 20 Minuten beachtlich.

Als nächstes schauen wir den Bahnhof Luzern an.

Luzern 30-Minuten

Der Verlauf hier ist sehr ähnlich zu dem in Bern, jedoch sind weit über 30 Minuten Median-Verspätung in der Spitze gegen 21:00 nochmals extremer. Dies könnte unteranderem daran liegen dass Luzern in einer deutlich alpineren Lage liegt verglichen mit Bern und Zürich und auch daran dass in Luzern deutlich weniger Züge pro 30-Minuten Block fahren.

Ausfälle

Nicht nur Verspätungen sind ärgerlich, sondern auch Ausfälle. Diese schauen wir uns nun an. Hier ist noch wichtig anzumerken, dass unsere Daten nicht zwischen geplanten und ungeplanten Ausfällen unterscheiden. Geplante Ausfälle entstehen häufig durch Baustellen oder sonstige Streckensperrungen und werden weit im Voraus angekündigt und sind auch im Fahrplan ersichtlich. In der Regel wird der Fahrplan angepasst um trotzdem einen ähnlichen Fahrplan anbieten zu können.

Ausfälle über die Zeit

Dieser Graph zeigt einerseits den Prozentanteil ausgefallener Halte (nicht Züge) und auch die absolute Anzahl ausgefallener Halte pro Tag.

Direkt fällt auf dass der Sommer sehr anfällig ist für Ausfälle. Dies könnte durch Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen erklärbar sein, jedoch auch durch den Sommerfahrplan, bzw. mehr Baustellen, welche über die Sommerferien durchgeführt werden.

Die Ausfallquote schwankt sehr stark zwischen unter 1% bis über 10%. In der Regel bewegt sie sich zwischen 2% und 4%. Im folgenden sind die 5 Tage mit der höchsten und tiefsten Ausfallquote aufgelistet.

Datum Total-Ausfälle Ausfallquote
01.05.2022 18076 11.767616%
24.04.2022 18105 11.756035%
30.04.2022 17625 10.803207%
23.04.2022 17023 10.389761%
10.11.2024 13351 8.879238%
04.01.2024 473 0.288167%
26.12.2025 470 0.285904%
22.12.2025 502 0.272366%
31.12.2023 390 0.268479%
28.12.2025 388 0.235937%

Es ist gut ersichtlich das der Zeitraum von Ende April bis Anfang Mai 2022 sehr anfällig war für Ausfälle, jedoch wurde in diesem Zeitraum auch viel gebaut.

Der Zeitraum um den Jahreswechsel hingegen scheint sehr Ausfallarm zu sein.

Einblicke in 4 Betreiber

In diesem Kapitel schauen wir uns 4 grosse Firmen im Schienenverkehr an: Die SBB, die BLS, die SOB und die RHB.

Als erstes schauen wir uns die Ausfallquoten über die 4 Jahre pro Betreiber an.

Prozentuale Ausfälle nach Betreiber

Hier sticht besonders der Sommer 2025 bei der BLS heraus, mit teilweise 20% Ausfallquote. Am über die 4 Jahre hinweg schneidet die RhB am besten ab. Auch die BLS ist bis auf den Sommer 2025 mit eher tiefen Werten vertreten. Auch die SOB hat eher tiefere Werte. Die höchsten Werte haben die SBB. Wir können dies auch in Zahlen anschauen. In folgender Tabelle ist die Median-Ausfallquote, sowie die Durchschnittsquote pro Betreiber über die 4 Jahre.

Betreiber Durchschnittsquote Median-Quote
SBB 3.370382% 2.603071%
BLS 3.147869% 1.736523%
RhB 0.813172% 0.357462%
SOB 2.579879% 1.163623%

Hier schneidet die RhB am besten ab und die SBB am schlechtesten.

Als nächstes schauen wir uns die Verspätungen pro Betreiber an.

Durchschnittliche Verspätung nach Betreiber
Betreiber Ø Ankunftsverspätung Ø Abfahrtsverspätung
SBB 53.014978 Sekunden 78.124575 Sekunden
BLS 51.286573 Sekunden 74.007983 Sekunden
RhB 45.283443 Sekunden 102.486330 Sekunden
SOB 42.323905 Sekunden 72.138282 Sekunden

Hier zeichnet sich ein ganz anderes Bild als bei den Ausfällen. Besonders fällt auch ein teils grosser Unterschied bei Abfahrts- & Ankunftsverspätungen. Besonders bei der RhB sticht das heraus, mit fast 60 Sekunden Differenz.

Bahnhöfe

In diesem Kapitel gehen wir etwas weiter auf die Bahnhöfe ein.

Da unsere erfassten Daten auch einige Zugläufe im Ausland abbilden mussten wir für dieses Kapitel bewusst gewisse Bahnhöfe rausfiltern. In unseren ersten Abfragen waren 94 Bahnhöfe in den 100 Bahnhöfen mit der grössten Verspätung in Deutschland. In allen nachfolgenden Tabellen wurden diese Bahnhöfe entfernt.

Bei den Analysen zu Bahnhöfen ist auch eine teils grosse Diskrepanz zwischen Ankunfts- & Abfahrtsverspätung aufgefallen. Diese schauen wir später noch genauer an.

Als erstes sind hier die 10 Bahnhöfe mit der grössten Median-Ankunftsverspätung:

Name Ankunftsverspätung-Median Ankunftsverspätung-Durchschnitt
Gerra (Gambarogno) 217.5 Sekunden 311.11 Sekunden
Chiasso Olimpino I 215.5 Sekunden 560.02 Sekunden
La Large-Journée 197.5 Sekunden 238.56 Sekunden
Colmegna 182.5 Sekunden 258.57 Sekunden
Le Boéchet 167.5 Sekunden 214.94 Sekunden
Ranzo-S. Abbondio 167.5 Sekunden 274.26 Sekunden
Gutenburg 162.5 Sekunden 155.89 Sekunden
La Chaux-d'Abel 162.5 Sekunden 213.84 Sekunden
Exergillod 162.5 Sekunden 244.12 Sekunden
Lalden 147.5 Sekunden 134.76 Sekunden

Nun ebenfalls die 10 Bahnhöfe mit der grössten Median-Abfahrtsverspätung:

Name Abfahrtsverspätung-Median Abfahrtsverspätung-Durchschnitt
Davos Monstein 327.5 Sekunden 341.06 Sekunden
Le Prese 297.5 Sekunden 327.87 Sekunden
Celerina Staz 287.5 Sekunden 279.31 Sekunden
Kerzers Papiliorama 262.5 Sekunden 210.26 Sekunden
Chiasso Olimpino I 252.5 Sekunden 560.02 Sekunden
Punt Muragl Staz 242.5 Sekunden 272.91 Sekunden
Villeret 242.5 Sekunden 215.64 Sekunden
Campascio 237.5 Sekunden 263.67 Sekunden
Pino-Tronzano 232.5 Sekunden 317.92 Sekunden
Gerra (Gambarogno) 217.5 Sekunden 311.11 Sekunden

Bei diesen beiden Tabellen ist noch anzumerken, dass bei der Station "Chiasso Olimpino I" über den gesamten Erfassungszeitraum nur 41 An- & Abfahrten erfasst wurden, eine einzelne Verspätung ist hier also sehr stark gewichtet.

Ausserdem haben wir uns 8 wichtige Bahnhöfe in der Schweiz angeschaut:

Name Ankunftsverspätung-Median Ankunftsverspätung-Durchschnitt Abfahrtsverspätung-Median Abfahrtsverspätung-Durchschnitt
Genève -2.5 Sekunden 32.30 Sekunden 57.5 Sekunden 89.54 Sekunden
Lausanne 2.5 Sekunden 37.02 Sekunden 52.5 Sekunden 86.03 Sekunden
Olten 17.5 Sekunden 47.78 Sekunden 47.5 Sekunden 81.13 Sekunden
Basel SBB 22.5 Sekunden 106.86 Sekunden 47.5 Sekunden 100.69 Sekunden
Zürich HB 27.5 Sekunden 62.05 Sekunden 42.5 Sekunden 63.48 Sekunden
Bern 2.5 Sekunden 27.05 Sekunden 37.5 Sekunden 57.53 Sekunden
Luzern 7.5 Sekunden 23.59 Sekunden 32.5 Sekunden 51.67 Sekunden
Winterthur 17.5 Sekunden 39.52 Sekunden 32.5 Sekunden 60.04 Sekunden

Nun schauen wir uns noch die Differenz von Ankunftsverspätung zu Abfahrtsverspätung. Dies geschieht auf einer Per-Zug Basis, also die Differenz für jeden Zug-Halt wird einzeln berechnet und dann wird diese Differenz zusammengefasst. Züge die an einem Bahnhof enden, können nicht erfasst werden.

Name Differenz-Durchschnitt
Davos Monstein 471.24 Sekunden
Celerina Staz 400.71 Sekunden
Punt Muragl Staz 362.01 Sekunden
Campascio 335.00 Sekunden
Le Prese 254.36 Sekunden
Petit-Martel -55.01 Sekunden
Le Reymond -54.78 Sekunden
Le Locle Le Chalet -53.89 Sekunden
Les Coeudres -53.42 Sekunden
Les Frêtes -53.06 Sekunden

Bei dieser Erfassung ist noch wichtig anzumerken, dass die Verspätung/Verfrühung bei Ankunft oder Abfahrt nicht beachtet wurde. Ein Zug welcher 60 Sekunden zu früh angekommen ist und pünktlich abgefahren ist, wurde also mit Differenz 60 Sekunden erfasst.

Bei den Bahnhöfen mit der tiefsten Differenz haben wir ausserdem die ersten 2 Bahnhöfe nicht beachtet, diese wären "Davos Platz" mit -895.40 Sekunden & "Sihlwald" mit -126.00 Sekunden, jedoch wurden für "Davos Platz" nur 5 Züge erfasst, welche am Bahnhof nicht geendet sind und für "Shilwald" nur einer.